Börsenclub Freiburg e.V.

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Förderer - Prof. Dr. Rehkugler

Prof. Dr. RehkuglerBörsenclub Freiburg: Sehr geehrter Herr Professor Rehkugler, wir danken Ihnen für die Möglichkeit von Ihnen als Förderprofessor unterstützt zu werden und so auch wissenschaftliche Hilfestellung zu erhalten. Da wir diese Art der Zusammenarbeit nicht für selbstverständlich halten, wüssten wir gerne noch mehr über Ihre Motivation diesen Verein zu unterstützen und Ihre damit verbundenen Ambitionen.

Professor Dr. Rehkugler: Die akademische Lehre kann nur einen Teil dessen, was praktisch relevant ist, vermitteln, und auch dies überwiegend im „Trockenkurs“, d.h. ohne konkrete Übungen an praktischen Beispielen der realen Welt. Als Professor bin ich daher für jede studentische Initiative dankbar, die geeignet und darauf gerichtet ist, eben diese Lücke zu füllen. Solche Initiativen vermögen nicht nur den Lernerfolg und damit das Potential der Studierenden zur konkreten Transfer des Gelernten in die Praxis erheblich zu verbessern, sondern erhöhen auch die Motivation und Lernfreude. Wir freuen uns über jeden Studierenden, der über solche Aktivitäten für sein gewähltes Fach „Feuer“ fängt und mit verstärktem Engagement und besserem Erfolg an sein Studium herangeht.

BC: Sie unterstützten bereits vorher einen studentischen Börsenclub und engagieren sich nun erneut für solch einen Club. Warum ist es Ihnen eine solche Initiative Wert Freizeit zu opfern?

PR: Da mein Spezialgebiet die Finanzmärkte sind, liegt es nahe, Initiativen besonders zu unterstützen, die sich thematisch auf diesen Bereich konzentrieren. Gerade die globalen Finanzmärkte mit ihrer hohen Komplexität und Unübersichtlichkeit, mit ihrer enormen Vielzahl von Produkten einerseits, aber auch einer Vielzahl von Angeboten simpler „Kochrezepte“ bietet sich für eine praktische Auseinandersetzung in einer studentischen Initiative an. Ich freue mich daher besonders, dass nun nach einer längeren Durststrecke wieder ein akademischer Börsenclub aktiv werden möchte. Weil wir eben dieses zusätzliche Engagement begrüßen und fördern möchten, werden wir mit unserem Lehrstuhl den Club nach Kräften unterstützen und positiv begleiten.

BC: In Deutschland scheinen viele Missverständnisse und Vorurteile bezüglich der verschiedenen Anlageformen zu existieren. Was müsste man Ihrer Meinung nach zur „Aufklärung“ tun?

PR: Über einen akademischen Börsenclub hat die Aufklärung erst einmal bei den Studierenden selbst zu erfolgen. Das bedeutet, sich im Club weit über die Lehrinhalte hinaus sich mit einzelnen Finanzmarktprodukten (Produktgruppen) zu befassen und analytisch sauber deren Vorteile und Nachteile, deren Chancen und Gefahren herauszuarbeiten. Das Gleiche gilt dann für einzelne sog. Erfolgsstrategien der Kapitalanlage. Erst wenn die Beteiligten sich hier eine saubere Basis geschaffen haben, können sie daran gehen, auch andere Bevölkerungsgruppen, die meist auf gefilterte und nicht unbedingt hilfreiche Informationen angewiesen sind, seriös aufzuklären.

BC: Wie sollte ein erfolgreicher Verein auf diesem Gebiet agieren?

PR: Zum ersten ist wichtig, dass er sich nicht – so nahe das liegt und so groß die Begeisterung einzelner Clubmitglieder hierzu auch sein wird – auf das „Zocken“ mit realem oder fiktivem Geld beschränkt. Natürlich will und soll man einzelne Produkte und vor allem einzelne Analyse- und Prognosetechniken und in den Medien als erfolgreich beschriebenen Anlagestrategien praktisch ausprobieren. Aber der entscheidende Unterschied (oder das Add-on) eines akademischen Börsenclubs muss dann sein, diesen Aktivitäten eine analytische Basis zu geben, also systematisch zu lernen, warum bestimmte, Produkte, Analyse- und Prognosetechniken und Anlagestrategien unter welchen Bedingungen zu besseren Ergebnissen führen. Vor allem muss es auch darauf ankommen, den Horizont von der Einzelanlage auf die Gestaltung optimaler Portfolios zu erweitern, die den spezifischen Bedürfnissen des jeweiligen Investors entsprechen. Der Erfolg des Club wird mE in starkem Maße davon abhängen, inwieweit es ihm gelingt, hier ein Gleichgewicht der Aktivitäten zu erreichen.

BC: Weshalb sollte man sich über die verschiedenen Anlageformen informieren?

PR: Diese Frage dürfte mit der vorhergehenden Antwort schon mit „erschlagen“ sein. Die Produkt- und Angebotsvielfalt an den Finanzmärkten für private wie für institutionelle Investoren ist heute so riesig geworden, dass es für den Laien fast unmöglich geworden ist, sich einen Überblick zu verschaffen und auf dieser Basis wenn nicht optimale, dann wenigstens recht gute Anlageentscheidungen zu treffen, die den Rendite- und Risikoerwartungen der Anleger auch tatsächlich gerecht werden. So wird ja die private Vorsorge für das Alter angesichts der Erosion der sozialen Sicherungssysteme immer wichtiger. Hier gilt es, einen brauchbaren Mix zu finden, der einerseits nicht zu viel an Renditemöglichkeiten verschenkt, andererseits das Verlustrisiko auf das für den Anleger verträgliche Maß beschränkt.

BC: Für wen macht es Sinn sich über Aktien, Fonds & Co zu informieren?

PR: Ein großer Teil der Studierenden der Volkswirtschaftslehre wird künftig selbst in Positionen sein, solche Anlageprodukte zu entwickeln, zu analysieren oder Kunden anzubieten. Dass diese solide Grundlagen des Finanzmarktgeschehens benötigen und sich schon beim Berufseinstieg und auch später leichter tun, wenn sie sich in einem Börsenclub zusätzliches Know How verschafft haben, liegt auf der Hand. Aber auf der Seite der „Betroffenen“ im Sinne der in der vorherigen Antwort angesprochenen Sparer für die Altersvorsorge werden sich wohl alle Studierenden später wieder finden, so dass es letztlich keinen gibt, für den sich dies nicht lohnen könnte.

BC: Aber wenn selbst der Finanzteil der Zeitungen es schafft, Verwirrung zu stiften, wirkt es manchmal so, als müsse man Wirtschaft studiert haben, um auch nur die Grundlagen der Anlage zu verstehen...

PR: Wenn es um ein wirklich qualifiziertes umfassendes Wissen auf diesem Gebiet geht, dann wird in der Tat ein wirtschaftswissenschaftliches Studium die beste Basis bilden. Aber ein Paket „goldener Grundregeln“ können sich auch andere durchaus aneignen, das ihnen gut durchs Leben hilft. Dann muss man eben auch so demütig sein können, von Angeboten, die man nicht versteht, auch wenn sie attraktiv klingen, die Finger zu lassen.

BC: Welche Erfahrungen haben Sie bisher, neben Ihrer Forschungsarbeit, auf diesem Gebiet gemacht?

PR: Leider auch solche durch Hybris geprägte: Obwohl wir in der Theorie eher vom Gegenteil ausgehen, meint fast jeder Anleger, auch wenn er über noch so wenig Kenntnis und Informationen verfügt, er müsse versuchen, „Schnäppchen“ zu machen und den Markt schlagen. Das geht, wenn man ehrlich ist, doch recht oft bei einem auf dieses Gebiet spezialisierten Professor schief.

BC: Was macht für Sie einen erfolgreichen Investor aus?

PR: Es wird sicher eine der zentralen Fragen des Börsenclubs sein, dies herauszufinden. Ohne Zweifel wird es für jeden, der nachhaltig erfolgreich sein will, daraus ankommen, eine fundierte Strategie zu entwickeln und an dieser konsequent festzuhalten. Langfristig richtige und durchgehaltene Strategie ist bei weitem wichtiger und führt zu weit mehr Erfolg als kurzfristiges Verfolgen von „Schnäppchen“.

BC: Gibt es für Sie einen Anleger, dem Sie Vorbildfunktionen einräumen würden?

PR: Das könnte jemand wie Warren Buffet sein, der eben die vorher beschriebene Linie in vorbildlicher Weise verkörpert. Aber kopieren lässt sich, über einige elementare Grundsätze hinaus leider im Leben fast nichts. Hier ist jeder gefragt, seinen eigenen Weg zum Erfolg zu finden.

BC: Sehr geehrter Herr Professor Rehkugler, wir danken Ihnen für das Gespräch und die Unterstützung unseres Vereins.